Wer Kaffee mag, sollte Martin Rechlin kennenlernen.
Der Soltauer aus Hamburg betreibt die Kaffeerösterei Soltau im Harber Moor.
Ein Ort, an dem Gespräche selten nach der ersten Tasse enden. Müssen sie
auch nicht. Wir sitzen hier an der Quelle.
Viele Jahre ist Martin einer von Millionen Kaffeetrinkern gewesen. Dann ist der
Moment gekommen, in dem aus großem Interesse ein Bekenntnis geworden ist:
Der gelernte Bauklempner hat sich auf den Weg nach Bordeaux gemacht, die
Röstmaschine aufgeladen und im ehemaligen Stallgebäude aufgebaut. Die
Kaffeerösterei Soltau ist geboren.
„Diesen Schritt machst du nicht mit einer fixen Idee“, sagt Martin Rechlin.
Seine Liebe zum Kaffee war da längst zu einer festen Größe geworden. Die
Leidenschaft, mit der nächsten Röstung den besten Geschmack zu finden,
treibt ihn an.
Heute entstehen in der großen Probat-Röstmaschine zwei Espresso- und neun
Kaffeesorten im Trommelröstverfahren. Jede Mischung handwerklich
hergestellt, jede mit eigenem Charakter. Welche in Martins Tasse landet,
entscheidet die Tagesform. Oder die Frage, was gerade gut zum Essen passt.
Kaffee-Gespräche mit ihm gehen schnell in die Tiefe. Sein Wissen hat er sich
selbst erarbeitet und in Kaffee-Schule sowie Sensorik-Seminaren geschärft.
Kostprobe gefällig?
Wusstet ihr, dass bei der Kaffee-Röstung über 800 Aromen entstehen, dass
von Hand aufgegossener Filterkaffee ideal ist für die Extrahierung des
Geschmacks, ist, dass der schokoladige Kaffee von den Honduras auch kalt ein
Genuss ist, dass die längere Röstung bei 200 Grad der Qualität des Kaffees
förderlich ist, dass der äthiopische Sidamo Natural geschmacklich mit
Anklängen an schwarzen Tee beginnt, vom Bergamotte Aroma zur Zitrone
wechselt und schließlich in den Kaffee-Geschmack mündet?
Martins Fachwissen ist eine Einladung, in die Welt des Kaffees einzutauchen.
Wer freitags in die Rösterei kommt, macht den ersten Schritt. Martin serviert
immer drei Kaffeesorten zum Probieren. „Die erste Tasse pur“, wird er sagen.
Mehr Vorgabe gibt es nicht.
Es geht ums Einlassen, darum, das Ausgangsprodukt zu schmecken und
Unterschiede zu entdecken. Viele sind überrascht, wenn sie sagen: „Der
schmeckt ja auch ohne Milch und Zucker.“
Denn jede Bohne bringt ihre eigene Geschichte mit, die mit Anbauhöhe und
Trocknung in der Sonne beginnt und beim Rösten weitergeht. Dort entstehen
komplexe Aromen und am Ende entscheidet auch die Zubereitung, wie der
Kaffee schmeckt.
Deshalb mag Martin auch den einfachen Filter von früher. Wenn heißes Wasser
von Hand aufgegossen langsam durchläuft, und der Kaffee die Zeit hat, seinen
Geschmack zu entfalten. Im Kern ist das sein Weg vom Kaffeetrinker zum
Kaffeeröster, vom Ausprobieren zum Verstehen.
Und die, die zu ihm kommen? Die dürfen Kaffeetrinker bleiben. Mit einem
Unterschied: Sie entdecken, wie vielfältig Kaffee sein kann.
Und Martin? Der sucht weiter. Nach der nächsten Röstung. Nach dem vielleicht
besten Kaffee.
